Andres Herren | Interview

14.10.2017 09:00

Andres Herren  | Interview


Über Andres Herren und sein Bild

Andres Herren

Der Schweizer Fotograf Andres Herren fühlt sich zu Orten hingezogen, an denen andere nie fotografieren würden. Seit 2009 dokumentiert er das Leben von Gangs in Los Angeles mit einer neutralen Sichtweise und einem Auge für das Wesentliche. Das brachte ihm Publikationen in der Huffington Post, im NME Magazine und im Spin Magazine ein. Auch in der Schweiz und in Europa ist er immer auf der Jagd nach aussergewöhnlichen Sujets. «Obwohl der visuelle Aspekt in der Fotografie wichtig ist, vermeide ich Oberflächlichkeit.», so Andres. Dank dieser Haltung konnte er schon mit Künstlern wie den amerikanischen Rappern The Game und Sick Jacken sowie dem Schauspieler Danny Trejo arbeiten. Andres’ Bild ist für Madies Fitness-Portfolio in der Sepulveda Recreation Area in Los Angeles entstanden. Sekunden vor dem Sonnenuntergang kombinierte er das natürliche Sonnenlicht mit dem Broncolor Move, um Madie perfekt in Szene zu setzen. Um mögliche Verzerrungen des Weitwinkelobjektivs zu umgehen, hat Andres drei Einzelbilder geschossen und sie dann zu diesem Panorama-Bild zusammengefügt.
 



Interview mit Andres Herren
 

Du portraitierst seit Jahren die führenden Gangs in Los Angeles.
Wie kam es zu diesem Projekt?

Im Alter von 15 Jahren begann ich mich für Strassengangs, Mafia-Strukturen und generell die Unterwelt zu interessieren. Als ich dann das erste Mal in Los Angeles war, wusste ich sofort, dass ich diese Stadt noch oft besuchen werde. 2009 konnte ich mein Interesse für Fotografie und Strassengangs mit der Liebe für die Stadt Los Angeles vereinen und mein Projekt starten. Doch es war anfangs ziemlich schwierig, die Menschen vor meine Kamera zu kriegen... 


Weshalb war es schwierig und wie hat es schliesslich geklappt? 

Die Menschen haben ein natürliches Misstrauen, das ich beseitigen musste, indem ich ihr Vertrauen gewann. Das brauchte viel Zeit. Aussenstehende werden von Gangs speziell behandelt, da sie sich davor fürchten infiltriert zu werden oder dass der Fotograf gar ein Polizist sein könnte. Mit viel Geduld, etwas Leichtsinn, guten Referenzen und Ehrlichkeit habe ich sie schliesslich vor die Kamera gekriegt.

 

Was war das Verrückteste, das du on location erlebt hast?

Ich durfte ein paar Mitglieder der der EchoPark Gang in Ihrem Viertel portraitieren. Nach etwa 20 Minuten tickte ein Mitglied dieser Gang völlig aus und gab mir mit seiner Pistole zu verstehen, dass ich von ihm lieber kein Foto machen sollte. 

 

Wie hast du darauf reagiert?

Im ersten Moment war ich etwas perplex, da ich nicht mit einer solchen Situation gerechnet hatte, die Stimmung war eigentlich entspannt und locker. Ich habe dann meine Kamera beiseite gelegt und mich mit ihm unterhalten. Seine Homies wurden ebenfalls auf die Situation aufmerksam und konnten ihn etwas beruhigen.

 

Wie ist diese unerwartete Situation zu Ende gegangen?

Die Situation konnte mit dem Gespräch entschärft werden. Anschliessend sind wir alle zusammen an den geheimen «hang-out-spot» der Gang gefahren. Dort hat er mich mehrmals wissen lassen, wer der «Mächtigere» ist und wer etwas zu sagen hat. Die ganze Situation war für mich sehr merkwürdig und beklemmend.

 

Welches ist für dich die grösste Herausforderung bei deinen on location Shootings?

On location arbeite ich zu 90 Prozent alleine. Da ich trotzdem oft mit mobilen Blitzanlagen fotografiere, kann das sehr stressig werden – vor allem, wenn sich die Lichtverhältnisse am Set rasch ändern. Da muss ich mich komplett auf mein Equipment verlassen können. Deshalb setze ich auf Premium-Marken wie Hasselblad und Broncolor, welche mich bisher auch bei eisigen Temperaturen oder wüstenähnlichen Zuständen noch nie im Stich gelassen haben.

 

Gibt es Dinge, die du prinzipiell nicht fotografierst bei einer solchen Reportage?

Nein. Wenn ich mich für eine Reportage entscheide, dann zeige ich die volle Realität. In diesem Moment liegt es nicht an mir, über Gut und Böse oder Sinn und Unsinn zu urteilen. Das soll jeder Betrachter für sich entscheiden.

 

Wo siehst du dich als Fotograf in 10 Jahren?

Ich hoffe, dass bis dahin viele weitere interessante Kunden dazugekommen sind, die mir ihr Vertrauen schenken, um ihre Projekte bestmöglich zu realisieren. Ich möchte auch in Zukunft spannende persönliche Projekte umsetzen, die mir am Herzen liegen. Zudem hoffe ich, dass meine Arbeit noch mehr Menschen auf der ganzen Welt erreicht und sie begeistert.  

 www.andresherren.com | Instagram andresherren | Facebook Andresherrenphotography

 

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