Jens Krauer | Interview

14.10.2017 09:00


« Nur schön reicht nicht »

In diesem Interview erfahren Sie vom Street-Fotografen Jens Krauer die Hintergründe seiner Arbeit, was seine Fotografie ausmacht und was er einem Anfänger in diesem Genre rät. Jens reist als Street-Fotograf um die ganze Welt und hält die Momente verschiedenster Menschen und Kulturen fest. 


Über Jens Krauer und sein Bild
Jens Krauer

Der Zürcher Street- und Dokumentarfotograf Jens Krauer ist als offizieller Fujifilm X-Photographer auf den Strassen der Welt unterwegs – von New York über Instanbul, Paris und Kiev bis nach Hongkong. Er ist immer auf der Suche nach dem «decisive moment» im alltäglichen Leben verschiedenster Menschen und Kulturen. Er hostet den fujilove.com Podcast für die weltweit grösste Fujifilm Online Community und gibt regelmässig Workshops. Seine Bilder sind in Ausstellungen in- und ausserhalb der Schweiz zu sehen und werden auf internationalen Fotografie-Webseiten präsentiert. Dieses Bild ist an einem sonnigen Nachmittag am Gare de Lyon entstanden. Jens erinnert sich noch gut an den Moment: «Ich habe von weitem gesehen, dass die beiden Herren, einer real, der andere auf dem Plakat, eine wunderbare Juxtaposition darstellen.» So ist ein interessantes Street-Bild entstanden, das auf den ersten Blick verwirrt und erst auf den zweiten Blick seine wahre Natur offenbart.

 



Interview mit Jens Krauer
 

Wie bist du zur Street-Fotografie gekommen?

Street-Fotografie ist die am einfachsten zugängliche Fotografie. Alles was man braucht, ist ein gutes Auge, gute Schuhe und ein ehrliches offenes Interesse am Leben und den Menschen. Da ich beruflich viel gereist bin, war die Street-Fotografie für mich mein Ausgleich. Während meine Kollegen Bars besuchten, ging ich mit meiner Kamera auf die Suche nach dem, was die Strassen der Welt zu bieten haben. So hat sich das langsam entwickelt und aus dem Ausgleich wurde eine Aufgabe.

 

Was macht gute Street-Fotografie aus?

Die Emotion und die Relevanz. Beides bietet eine gemeinsame Basis für eine Kommunikation und ist das vermittelnde Element zwischen Fotograf und Zuschauer. Die Emotion muss nicht zwangsläufig positiv sein, aber sie muss da sein, sonst fehlt das verbindende Element. Nur «schön» reicht nicht, ein Street-Foto muss kommunizieren.

 

Was würdest du einem Anfänger in Street-Fotografie raten?

Sich nicht auf Kameras und Technik zu fixieren. Technik sollte man lernen und wieder vergessen, um sich den kreativen Aspekten der Fotografie zu widmen. Gute Bilder entstehen von innen heraus und aus dem, was man an Lebenserfahrung mit sich bringt. Wer dem folgt, was ihn wirklich interessiert, wird seine Sujets im alltäglichen Leben finden. Als erstes sollte man in Erfahrung bringen, was einen fasziniert und dieser inneren Stimme folgen. Und dann: Neugierig sein und üben, üben, üben...

 

Entstehen deine Bilder immer spontan aus der Situation heraus oder jagst du auch Bildern nach, welche du dir vorgängig ausgemalt hast?

Meine Bilder entstehen immer aus der Situation heraus. Wenn man mit fixen Vorstellungen von Bildern in die Welt hinausgeht, limitiert das den Blick und die Wahrnehmung. Ich bleibe immer offen für das, was mir begegnet. Keines meiner Bilder hätte ich mir vorgängig vorstellen können. Das ist das Faszinierendste an Street-Fotografie. Wenn man dafür offen ist, bietet das Leben viel mehr, als man sich vorstellen kann.

 

Bei der Street-Fotografie stellt sich immer die rechtliche Frage: Darfst du Bilder von Menschen ohne deren explizites Einverständnis publizieren?

Je nach Blickwinkel und geografischem Standort sind unsere Museen voll mit illegaler Fotografie. Die Rechtslage variiert je nach Land und Kultur. Grundsätzlich finde ich aber, die Street-Fotografie hat eine historische Bedeutung. Wenn ihr die richtige Ethik zu Grunde liegt, ist sie moralisch nicht nur vertretbar, sondern auch wichtig. Die Motivation ist positiv und humanistisch. «Documenting the human condition» ist eine Aufgabe mit Berechtigung. Allerdings gilt: wer Menschen dokumentiert, trägt Verantwortung und muss Entscheidungen treffen.
 

Wer als Streetfotograf unterwegs ist, setzt auf eine kompakte unauffällige Kamera. Dabei muss die Bildqualität trotz Kompaktheit stimmen, und die Kamera muss mit schwierigen Lichtsituationen umgehen können, da hier praktisch ausschliesslich mit dem vorhandenen Licht gearbeitet wird.

Der bekannte Streetfotograf und X-Photographer Jens Krauer konnte die neue Fujifilm X-T2 vor Veröffentlichung bereits testen. Im Interview mit Light + Byte berichtet er von seinen ersten Eindrücken.

 

 

Bilder von Jens Krauer mit der neuen Fujifilm X-T2
(out of camera, ohne jegliches postprocessing)

   

jenskrauer.com       |       @urbanframes      |      krauerjens

Passende Tools für die Street-Fotografie im Light + Byte Onlineshop

 

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