Product Review | Lomo LC-A+

08.11.2017 12:00

Rana El-Ladki unsere Marketingleiterin kann manchmal eine richtige Nostalgikerin sein. Um so verständlicher ist es, dass sie sich, kaum im Sortiment eingetroffen, eine analoge Kamera von Lomography angelächelt hat. In diesem Bericht erfährst du, wie sich die Lomo LC-A+ auf der Reise quer durch Marokko bei 40 Grad geschlagen hat.  

Die analoge Fotografie kannte ich bisher nur von meinem Vater. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er während meiner Kindheit die Filme nach unseren Ferien wieder in die schwarzen Döschen gepackt und sie in einem Briefumschlag eines Fotogeschäfts in den nächsten Postkasten geworfen hat. Riesig gross war die Freude, als die Umschläge mit den Ferien-Fotos bei uns zu Hause am Esstisch geöffnet wurden. Diese Art von Überraschung ist einfach unbezahlbar. Ein ähnliches Bauchkribbeln überkam mich, als ich nach meiner Marrokko-Reise die Umschläge mit den entwickelten Lomo-Fotos in der Hand hielt... 

Die Lomo LC-A+ ist eine Nachproduktion der berühmten Lomo LC-A (Lomo Compact Automat), welche grossen Bekanntheitsgrad als Namensgeber für die fotografische Stilrichtung Lomografie erlangte. Sie ist berühmt-berüchtigt für leuchtende Farben, starken Kontrast, eine traumhafte Vignettierung und einzigartige Bilder – davon wollte ich mich selber überzeugen.

Da ich von überaus sonnigem Wetter in Marokko ausging, entschied ich mich für den 35mm-Film X-Pro Diafilm, 200 ASA. Nach kurzer Einführung zum Filmeinlegen durch Ueli und Jan aus unserem Sales Team waren die LC-A+ und ich startklar für Marokko. 

 

Lomo LC-A+ | Fokus

Die Kamera weist wenig Einstellungsmöglichkeiten auf. Man muss nur die Distanz zum Motiv einschätzen und entsprechend den Schalter betätigen. Um die Blende und die Verschlusszeit kümmert sich die Kamera selbst. So kann man sich beim Fotografieren ganz auf das Sujet konzentrieren. Das tönt jetzt zwar simpel, war aber in den engen Altstadt-Gassen von Marrakesch und Fes nicht immer so einfach. Denn kaum kam ein Esel beidseitig spektakulär mit Coca Cola Harassen und Teppichen beladen um die Ecke, musste ich mich eng an die Wand drücken, die Distanz einschätzen, den Fokus einstellen und abdrücken. Dabei durfte man nicht vergessen, die Füsse einzuziehen, denn in Marokkos Fussgängerzonen gilt der Vortritt den Tieren und Rollerfahrern.

 


What you see is what you get – or not

Dank der 32mm-Festbrennweite verbachte ich keine Zeit mit Zoomen. Um einem Motiv näher zu kommen, musste ich mich mitten ins Geschehen stürzen. Dies entspricht der Lomo-Philosophie. Man absorbiert und fängt das ein, was gerade vor einem passiert. Man fokussiert sich also nicht auf ein Motiv in der Ferne, sondern zeigt auf den Lomo-Fotos, wie es mitten im Geschehen aussah. 

Was ich im Sucher meiner LC-A+ sah, hatte ich mehrheitlich dann auch auf dem Bild. Jeder richtige Lomograph würde mir, jetzt nachdem er das gelesen hat, den Kopf umdrehen – ich weiss, Lomographieren bedeutet: Nicht durch den Sucher schauen, sondern den Schuss aus der Hüfte zu üben und wild drauflos zu knipsen. Durch die Hektik der Altstadt in Marrakesh oder den Rummel auf dem berühmt-berüchtigten Marktplatz Djemaa el Fna ist das Resultat aber sowieso nicht sonderlich anders herausgekommen.  

 


Kompakter Reisebegeleiter

Aufgrund der kompakten Grösse der LC-A+ ist sie ideal, um sie auf Städtetrips immer dabeizuhaben. Trotz der heissen Temperaturen hatte ich nie Probleme mit der Bedienung. Während der Reise konnten wir nicht immer der prallen Sonne ausweichen. Selbst auf einer zweistündigen Vogeltour auf einem Fischerboot bei knapp 40 Grad schien die Hitze der Kamera und dem Film nichts anzuhaben.

Die LC-A+ eignete sich ideal, um das Leben in den Altstädten von Marokko festzuhalten, denn durch ihre bescheidene Grösse ist sie unauffällig und schüchtert die Leute nicht ein. Ausserdem sieht sie nicht besonders teuer aus, wodurch es vollkommen unproblematisch war, die Kamera stets in der Hand zu haben, um für jedes tolle Sujet, das sich hinter der nächsten Ecke befand, bereit zu sein.

 

 

Mein Fazit

Die Fotos haben den typischen Lomo-Touch. Mir persönlichen gefallen die starken Farben und das Korn, das auf den Bildern gut zu sehen ist. Filmtechnisch kann ich noch nicht viel sagen, da ich mich zuerst noch durch die 35mm-Filmpalette von Lomography durchtesten möchte.

Die Lomo eignete sich nicht besonders für Nachtaufnahmen. Für solche hätte man einen lichtempfindlicheren Film und eventuell einen Aufsteckblitz verwenden müssen. Einen Versuch habe ich mitten in der marokkanischen Wüste an einem Music Festival gewagt, doch das Resultat wurde nicht so spektakulär, wie ich es mir gewünscht hatte, denn durch die freihändige Aufnahme mit längerer Verschlusszeit wurde das Bild ziemlich unscharf.

Die Freude an den entwickelten Fotos ist gross, auch wenn das Entwickeln und die Abzüge etwas kostspieliger sind. Die Fotos erhalten dadurch noch mehr Wert und lassen sich in einem physischen Fotoalbum einfach besser zeigen. Von nun an gehört die Lomo LC-A+ bei jeder meiner Reisen mit ins Gepäck. 

 

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