Product Review | Zeiss Otus 1.4/28mm

19.03.2018 12:00


Unser Sales-Mitarbeiter Tino Scherer testete während seines London-Trips das Zeiss Otus 1.4/28mm. Er nimmt es in seinem Bericht mit auf einen Rundgang durch den Hampton Court Palace in London und erläutert anhand von eindrücklichen Aufnahmen seine Erkenntnisse.

Im November 2017 reiste ich mit meiner Freundin für ein paar Tage nach London, um die englische Hauptstadt zu besichtigen. Natürlich kam meine Kamera, die Leica SL, mit uns mit. Auch mit im Gepäck waren einige persönliche Optiken sowie das Zeiss Otus 1.4/28mm mit EF-Mount. Ich verwende oft Optiken mit EF-Mount, welche ich dann mit dem passenden Novoflex-Adapter auf meine Leica SL packe. Wichtig war für mich herauszufinden, ob sich das Weitwinkelobjektiv Zeiss Otus 1.4/28mm für einen Arbeitsalltag eignet. Dabei wollte ich das Verhältnis der Schärfe mit offener und geschlossener Blende sowie die Zuverlässigkeit bei schwierigen oder auch dunklen Lichtverhältnissen testen. Als ideale Location, um das Qualitätsmonster von Zeiss gründlich unter die Lupe zu nehmen, bot sich das Hampton Court Palace in London an.


Das Otus – scharf auch bei offener Blende

Der Hampton Court Palace liegt südlich von London an der Themse und ist die ehemalige Lieblings-Residenz des damaligen Königs von England, Heinrich VIII. Das Schloss, dessen Geschichte sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt, spiegelt in seiner Architektur sowohl den Tudor-Stil als auch den Barock wider. Da ich in der Sport-Fotografie tätig bin, faszinierte es mich umso mehr etwas ablichten zu können, das sich noch nicht in meinem Repertoire befindet.

Meine Freundin Claudia und ich machten eine Tour durch den Palast und fanden dabei eindrücklichen Locations. Die erste Aufnahme mit dem Zeiss Otus 1.4/28mm entstand in dem im 17. Jahrhundert erbauten Innenhof des Palastes. Meine Augen funkelten vor Freude, denn ich spürte, dass hier eine tolle Schwarzweiss-Aufnahme entstehen würde. 

Kamerainformationen: 1/3200 Sek. | F1.4 | ISO 100 

 

 

 

Das geniale am Zeiss Otus Objektiv ist, dass selbst bei einer offenen Blende die Aufnahme bedeutend schärfer sind, als bei anderen Linsen. Bei einigen Objektiven brauchen Sie für ein scharfes Bild Blende F8 oder F11, während Sie beim Otus selbst mit Blende F1.4 eine unglaubliche Schärfe erzielen können. 

 

 


 

Die Stimmung perfekt einfangen 

Vor ein paar Jahren hatte Claudia den Hampton Court Palace schon einmal besucht. Ein Ort im Palast blieb ihr in besonders guter Erinnerung, deshalb wünschte sie sich an dieser Stelle ein Bild von sich. Wir folgten dem Rundgang durch den Palast und kamen durch den oberen Korridor an den gewünschten Standort. Wie im ganzen Palast war auch hier die Stimmung der Wahnsinn – die Geschichte scheint hier definitiv wieder lebendig zu werden.

An dieser Stelle des Palastes war es dunkel, doch dank den gigantischen Fenstern erhielt ich für die Aufnahme etwas Tageslicht. Dennoch musste ich die Blende so weit wie möglich öffnen, um eine optimale Belichtung zu erreichen. Das Zeiss Otus 1.4/28mm liess mich nicht im Stich – so konnte ich die gewünschte Aufnahme für Claudia machen.

 Kamerainformationen: 1/80 Sek. | F1.4 | ISO 1600
 
 

 


Die RAW-Aufnahme wirkte durch das Tageslicht relativ kalt. Den Weissabgleich stellte ich in der Kamera auf automatisch. Da ich das Bild wärmer wollte, korrigierte ich dies in der Nachbearbeitung im Adobe RAW-Konverter. Die Aufnahme wurde aus der Hand aufgenommen. Der Spot, welcher auf die Mütze von Claudia fällt sowie auch der Kerzenleuchter, der rechts im Bild von der Decke hängt, sorgen für eine ruhige Stimmung im Bild.
 

 


 

Überzeugende Aufnahmen auch im Freien

Die Führung ging weiter und ich entschied mich, das Zeiss Otus Objektiv gleich auf meiner Kamera zu lassen, da ich das Wechseln der Objektive satt hatte und das Otus einen wunderbaren Job machte. Generell arbeite ich gerne nur mit manuell fokussierten Festbrennweiten, auch bei Fotoaufträgen im Action-Sport. Durch das manuelle Fokussieren arbeite ich nicht langsamer als mit einer Autofokus Linse. Zudem kann ich die Schärfe sehr präzise einstellen. Während des Rundgangs machte mir die Arbeit mit dem Zeiss Otus 1.4/28mm immer mehr Spass.

In den gewaltigen Gärten konnte ich das Objektiv auf die Tiefenschärfe testen. Die Lichtstimmung war auch hier perfekt. Ich staunte – so butterweich hatte ich mir die Aufnahme nicht vorgestellt. Ein perfekter Spot, ein dramatischer Himmel und ein RAW, das ein perfektes Schwarz-weiss-Bild ergeben würde.

Kamerainformationen: 1/8000 Sek. | F1.4 | ISO 100

 

 


 

Abbildungsfehler

Ich liebe dramatische Bilder und dieser Irrgarten war perfekt, um die Abbildungsfehler des Objektivs zu testen. Bei dieser Aufnahme war das Gegenlicht enorm und man hätte tatsächlich eine chromatische Aberration erwarten können. Das Zeiss Otus 1.4/28mm überzeugte mich aber wieder aufs Neue. In der RAW-Aufnahme konnte ich keinen Farbsaum erkennen. Die Kontrastverhältnisse in der Aufnahme stimmen sowohl im Grün des Wirrgartens, als auch im Himmel. 

Kamerainformationen: 1/500 Sek. | F2.8 | ISO 50

 

 

 


 

Mein Fazit

 

 

Ehrlich? Ich liebe diese Optik! Das Zeiss Otus 1.4/28mm ist zwar ziemlich schwer, um es einen Tag lang herumzutragen. Optisch ist es jedoch das Beste vom Besten. Die Schärfe überzeugt bei offener und geschlossener Blende. Dank der optischen Konstruktion werden nahezu alle erdenklichen Bildfehler korrigiert. Das Schloss war der perfekte Spot für eine neue Bildserie. Ich bin überzeugt, dass auch Heinrich VIII mit dieser Linse zufrieden wäre.

 

 

 

 
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